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Tableau – mächtiges Desktop-Tool

Tableau Screenshot

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Nachdem ich bisher nur mit Tableau Public ein wenig gespielt habe, wollte ich mit möglichst wenig Aufwand einen Dashboard-Prototypen für Reportingdaten erstellen. Die Entscheidung fiel auf Tableau, und hier sind meine Erfahrungen nach einer recht intensiven zweiwöchigen Evaluierung von Tableau Desktop in Kombination mit dem Tableau Server. Mein Fazit:

  • Pro: Sehr mächtig und vor allem eine sehr intuitive Benutzeroberfläche
  • Con: Grenzen bei der Automatisierung bzw. Integration

Was kann Tableau?

Tableau Desktop kann aus verschiedenen Datenquellen lesen, diese nach Bedarf transformieren, also z.B. aggregieren, und die ausgewählte Datensicht in dafür geeigneten Charttypen darstellen. Folgende Charttypen werden unterstützt:

  • Text Table
  • Heat Map
  • Highlight Table
  • Pie
  • Aligned Bar
  • Stacked Bar
  • Side-by-Side Bar
  • Bar with Measure on Color
  • Line (Discrete oder Continuous)
  • Dual Axis
  • Gantt
  • Scatter
  • Scatter Matrix
  • Circle
  • Histogram
  • Map
  • Bullet Graph

Wie man sieht, fehlen Visualisierungsmethoden für Netzwerke und Graphen vollständig.

Die entstandenen Charts können einzeln oder zu einer Ansicht kombiniert (= Dashboards) auf verschiedene Weise dem Publikum zugänglich gemacht werden:

  • Als Tableau Workbook kann man sie mit dem kostenlosen Tableau Reader auf jedem Windows System öffnen und anschauen.
  • Die Charts können als PDF oder Bild als statische Version exportiert werden.
  • Die Charts können auf einen eigenen Tableau Server (oder auf den Tableau Public Server) hochgeladen werden. Dort können sie entweder mit dem mitgelieferten Webinterface angeschaut werden oder auch per Url in die eigene Anwendung eingebettet werden. Die verwendete Technologie scheint eine ausgeklügelte Kombination aus Flash und Javascript zu sein, ein Kompromiss aus Interaktivität und Performance bzw. Ladezeit. Bei mir liefen die Webversionen erstaunlich flüssig mit einem nur geringen Nerv-Faktor.

Dabei rangiert die Desktop Version zwischen $1000 und $1800. Die Gratisvariante ist seit Anfang 2010 Tableau Public. Es hat im Kern den identischen Funktionsumfang, unterscheidet sich aber darin, dass die Charts und die dafür benötigten Daten nur online im Tableau Public Server gespeichert werden können – für interne Daten also nicht geeignet. Außerdem kann es nicht aus Datenbanken auslesen, sondern akzeptiert nur CSV und Excel.

Für welche Daten ist Tableau geeignet?

Zuerst einmal ganz simpel eine einfache Tabelle im CSV oder Excel (.xls) Format. Auch verknüpfte Tabellen können als .xls verarbeitet werden, wenn jede Tabelle auf einem eigenen Tabellenblatt steht. Weiters kann Tableau Daten direkt aus einer Vielzahl von Datenbanken auslesen. Dabei können bestehende Tabellenverknüpfungen angegeben werden, die Tableau direkt übernimmt. So kann das eigene Datenmodell 1:1 für Mappings verwendet werden, ohne dass zuerst eine Denormalisierung (= eine SQL Abfrage, die das gewünschte Subset in einer einzigen Tabelle zusammenfasst) nötig wäre. Tableau unterstützt auch Live-Data, d.h. Änderungen in der Datenbank werden bei jedem Reload der Datenquelle bzw. der Webseite reflektiert. Leider muss die Datenbank auf dem selben Rechner wie Tableau Server sein, bzw. im gleichen Netzwerk. Denn mit einem Webservice kann sich die Software nicht verbinden.

Geodaten, also Postleitzahlen, Länderkennungen, State/Province und Regions (USA) werden problemlos erkannt und auf einer Karte angezeigt.

Granulare Daten werden nach Bedarf aggregiert. Habe ich zum Beispiel Kunden- und Produktdaten auf der granularen Ebene von einzelnen Bestellungen, so kann ich mir meistverkaufte Produkte pro Kunde oder pro Monat anzeigen lassen, wobei Tableau die Datentransformationen vollkommen transparent im Hintergrund macht. Das ist natürlich sehr praktisch. Allerdings kann Tableau nicht auf ein System aufsetzen, dass die Daten bereits transformiert liefert, denn es kann pro Chart nur eine Datenquelle angegeben werden.

Auch eine API fehlt. Die Charts müssen mit der Desktop-Version zusammengeklickt und abgespeichert werden. Dynamische Anpassungen an sich ändernde Daten, z.B. wechselnde Mappings, sind nicht möglich.

Wie benutzt man es?

Nach der Installation (Windows only!) muss man zuerst die Datenquelle auswählen. Gegebenenfalls müssen noch Tabellenverknüpfungen angegeben werden. Sind die Daten geladen, werden die Felder und ihre Einheiten/Typen in einer Liste angezeigt. Tableau versucht den Datentyp zu erraten (nominal, numerisch, Währung, Datum, Geodatum, etc.). Evtl. muss man da noch nachhelfen. Dann wählt man einige Felder aus und zieht sie auf die Chartfläche. Über den “Show me” Button kann jetzt ein passender, also schlüssiger Charttyp ausgewählt werden. Danach kommt das Feintuning: weitere Felder anzeigen lassen, das Mapping anpassen (z.B. statt über Balkenlänge über Balkenfarbe anzeigen), Filter erstellen, Beschriftung anpassen, Titel oder Tooltips erstellen. So kommt man sehr schnell zu Ergebnissen. Die Frage ist nur, ob das die Ergebnisse sind, die man haben wollte. Es braucht natürlich einige Übung, um genau die Ansicht zu bekommen, die man haben wollte. Teilweise sind wichtige Features, wie die Dual Axis, in einer speziellen Drag&Drop Aktion versteckt und können über das Menü nicht angesteuert werden.

Zum Schluss können die Charts zu einem Dashboard zusammen gestellt werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind sehr gering: Schriftart und -größe, Hintergrundfarbe, das war’s auch fast schon. Das Dashboard oder einzelne Charts werden abgespeichert bzw. Server hochgeladen.

Besondere Features?

Die Charts bieten interessante Interaktionsmöglichkeiten über Filter an. Zum Beispiel für numerische Werte Rangefilter, für kategorische Werte Mehrfachauswahl, für Zeitangaben Granularität: pro Jahr, pro Monat, pro Tag oder auch pro Sekunde. Möchte ich dem Webuser allerdings die Möglichkeit geben, zwischen einer Ansicht “meistverkaufte Produkte pro Monat” und “umsatzstärkste Produkte pro Monat” zu wechseln, kann das nicht mehr über einen Filter gelöst werden, da hier das Mapping dynamisch gewechselt werden müsste.

Es gibt übrigens umfangreiche Online-Ressourcen, Dokus und Videos im Tableau Learning Center. Und einmal im Jahr eine große Anwenderkonferenz in Seattle, die sehr beliebt ist.

Fazit

Es hat großen Spaß gemacht mit dem Tool zu arbeiten. Es bietet sich vor allem an, um einen ersten Überblick über eine Datenmenge zu bekommen und erste Visualisierungsmöglichkeiten zu erörtern. Auch für den schnellen Chart zwischendurch, für Präsentationen, für’s Blog und für den internen Gebrauch ist es sehr gut geeignet. Spezielle Sonderwünsche, Design in der eigenen CI und allzu dynamische Anforderungen ist Tableau allerdings (noch) nicht gewachsen. Trotzdem ist es momentan das mächtigste Visualisierungstool, das auf dem Markt ist.

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